Dr. Marlena Mucha ist der diesjährige BZKF Young Scientist Fellow für den Standort Augsburg

Mit ihrem Forschungsprojekt „Vergleichende Analyse der Auswirkungen von DICER1-Mutationen auf die Zelldifferenzierung und Chromatinstruktur“ wurde die junge Wissenschaftlerin aus der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Pascal Johann (experimentelle, pädiatrische Onkologie der Kinderklinik) mit dem BZKF Young Scientist Fellowship der Wilko Weichert Academy ausgezeichnet. Mithilfe der 100.000 Euro dotierten Förderung sollen Erkenntnisse gewonnen werden, welche die Entstehung seltener kindlicher Hirntumore besser nachvollziehbar und somit Aussichten auf innovative Therapien greifbar machen.

Foto © Dr. Marlena Mucha

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Seit 2022 fördert das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) jedes Jahr herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler aus der onkologischen Forschung an den bayerischen Universitätskliniken als sogenannte Young Scientist Fellows

2024 wurde beim jährlichen BZKF Netzwerktreffen die Gründung der Wilko Weichert Young Scientist Academy bekanntgegeben, welche nach dem 2023 verstorbenen Münchner Pathologen und BZKF-Gründungsmitglied Prof. Dr. med. Wilko Weichert benannt ist. 

Die ausgewählten Projekte treiben neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten für Krebserkrankungen voran und sorgen dafür, dass innovative Ansätze schneller vom Labor in die klinische Anwendung gelangen. Die Academy vernetzt Nachwuchsforschende standortübergreifend und begleitet sie langfristig auf ihrem wissenschaftlichen Weg.

2026 erhalten sechs Nachwuchsforschende jeweils 100.000 Euro, um ihre visionären Forschungsprojekte umsetzen zu können. Auf diese Weise wurde pro Standort jeweils ein herausragendes Wissenschaftsprojekt ausgewählt. Die digitale Auszeichnung erfolgte am 27. November 2025 und würdigte den Einsatz der ausgezeichneten Nachwuchsforschenden für eine bessere Krebsmedizin von morgen. 

Das Forschungsprojekt

„DICER1 ist ein Protein, welches eine tragende Rolle in der frühen menschlichen Entwicklung spielt, insbesondere bei der Verarbeitung von RNA-Molekülen, die ihrerseits die Aktivität von Genen steuern. Kürzlich wurden Mutationen im DICER1-Gen bei einigen seltenen, aber äußerst aggressiven Hirntumoren im Kindesalter entdeckt. Das wirft die Frage auf, wie diese Mutationen die normale Zellfunktion von DICER1 stören“, fasst Dr. Mucha den Ansatzpunkt zusammen. In ihrem Projekt werden häufig vorkommende DICER1-Mutationen in menschliche embryonale Stammzellen eingebaut und dazu gebracht, sich zu Zellen zu entwickeln, die dem frühen menschlichen Gehirn ähneln. Anschließend werde analysiert, wie die verschiedenen Mutationen sich auf das Verhalten der Zellen auswirken. Aus diesen Beobachtungen lassen sich Rückschlüsse auf die Entstehung von seltenen Gehirntumoren ziehen sowie neue Wege für innovative Behandlungsoptionen aufzeigen. 

 

Das Forschungsumfeld

Als Postdoktorandin im Forschungslabor von Prof. Dr. Pascal Johann (Lehrstuhl für Experimentelle Pädiatrie der Universität Augsburg) kombiniert Dr. Mucha eine Vielzahl von fortschrittlichster molekularbiologischer sowie bioinformatischer Verfahren, um verschiedene Tumoren im Kindesalter zu erforschen. Ihr besonderer Fokus liegt hierbei auf Chromatin (eine essentielle Struktur, die in jeder Zelle vorzufinden ist und unsere DNA und damit verbundene Moleküle beinhaltet): Welche störenden Auswirkungen haben spezifische Tumorerkrankungen auf dessen Struktur oder Funktion? Und wie können diese Fehlfunktionen behoben werden, um auf diese Weise zu einer Heilung beizutragen?

Die Person hinter der Forschung

Die gebürtige Polin hatte bereits in ihrer Kindheit und Jugend ein ausgeprägtes Faible für Wissens(schafts)fragen und Investigation: Von klein auf fasziniert von der Biologie, verschlang sie als Teenager unzählige Kriminalromane. Sie entschloss sich für eine wissenschaftliche Laufbahn und zog nach Irland, um am renommierten Trinity College Dublin Humangenetik zu studieren. Nahtlos an ihren Abschluss wurde sie Doktorandin im Labor von Prof. Adrian Bracken, wo sie in die Chromatinforschung eingeführt wurde. 

Nach Fertigstellung ihrer Doktorarbeit und Promotion führte ihr Weg 2023 nach Augsburg, um sich hier Prof. Dr. Johanns Forschungsgruppe anzuschließen und sich fortan intensiver mit onkologischen Fragestellungen zu beschäftigen. Ihr langfristiger Plan ist es, Gruppenleiterin im spannenden Feld der funktionellen Genomik bei Krebs zu werden. Seither hat sie bereits vielzählige wissenschaftliche Publikationen sowie Beiträge im Bereich der pädiatrischen Onkologie veröffentlicht und erhielt über die Medizinische Fakultät interne Fördermittel für eines ihrer Forschungsprojekte. 

Ihre fachliche Expertise ist für das Interdisciplinary Laboratory for Experimental Cancer research (InLEC) nicht nur wissenschaftlich eine enorme Bereicherung, bringt sie doch auch auf persönlicher, interkultureller Ebene ein willkommen kosmopolitisches Flair ein, das sich geradezu perfekt in die multikulturelle Facetten des UKA und seiner Reichweite einfügt und diese auf wundervolle Weise verstärkt. 

Auf die abschließende Frage, was sie in ihrer Freizeit begeistern würde, antwortet Dr. Mucha in einer nach all dem biografisch Erwähnten sehr geradlinig und nachvollziehbar bodenständigen Weise:

„Ich liebe es, wann immer es meine Zeit und die Witterung zulassen, die Wunder der bayerischen Natur zu erkunden…ansonsten bin ich auch gerne kreativ tätig oder über Handstände in der Turnhalle.“

Wir sind stolz darauf, eine solch dynamische Forscherin in unseren Reihen zu wissen und gratulieren zu ihrer Auszeichnung, welche in Zukunft noch viele wissenschaftliche Luftsprünge und Kopfstände versprechen lässt!

Das Team von Prof. Pascal Johanns Lab im Bild mit Prof. Dr. Dr. Frühwald. © UKA