Uniklinik will an Prostatakrebs erkrankte Männer weniger belasten | Spitzenmedizin
Prostatakrebs ist noch immer die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern. 15.000 Männer erkranken jedes Jahr in Deutschland. Eine Studie soll zeigen, ob Biopsien künftig durch ein bildgebendes Verfahren reduziert werden können.
Augsburg | Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Bislang folgte auf einen erhöhten PSA-Wert im Blut und eine auffällige Kernspintomographie meist eine Gewebeentnahme (Biopsie). Für viele Betroffene ist diese Untersuchung eine große körperliche und psychische Belastung – unangenehm, schmerzhaft und mit möglichen Infektionen verbunden. Nicht selten werden dabei zudem harmlose Befunde erhoben, die keiner Behandlung bedürfen.
Die Prime-Studie – Prime steht für New diagnostic pathway in primary diagnosis of clinically significant prostate cancer– wird geprüft, ob eine zusätzliche moderne Bildgebung, das sogenannte PSMA-PET die Diagnose weiter verbessern kann. Mit dem PSMA-PET/CT kann man Krebszellen in der Prostata durch eine sehr geringe Menge eines radioaktiven Medikaments noch genauer sichtbar machen. In der Studie erhalten 150 Männer mit auffälliger Kernspintomographie zusätzlich diese Untersuchung. Je nach Ergebnis sollen dann weniger oder gezieltere Biopsien für die sichere Diagnose eines behandlungsbedürftigen Prostatakrebs-Patienten nötig sein. Ziel ist es, aggressive Tumoren früh und zuverlässig zu erkennen, gleichzeitig aber unnötige und zudem belastende Eingriffe zu vermeiden.
Studie wird mit 2,2 Millionen Euro durch das BZKF finanziert
Die PRIME Studie ist eine nationale Multicenterstudie mit 150 Patienten (sogenannte biopsie-naive Männer). Sie wird als eine von zwei eigenen Studien des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZKF) erstmals durch das Zentrum selbst mit insgesamt 2,2 Millionen Euro gefördert. Prof. Dr. Matthias Heck, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Augsburg, und Prof. Dr. Matthias Eiber, Leiter der Sektion Theranostik des Klinikums der Technischen Universität München (TUM), leiten die Studie, die bis Ende 2030 läuft. „Für einen Mediziner ist es ein großer Erfolg, eine Studie finanziert zu bekommen“, sagt Heck, der erst letztes Jahr von München nach Augsburg wechselte. In München entstand auch das Konzept zu der Studie, deren Ziel es ist, Männer mit Verdacht auf Prostatakrebs zu entlasten, indem man belastende Biopsien reduziert und diese durch ein bildgebendes Verfahren ersetzt.
PSMA-PET/CT bislang keine Kassenleistung
Heck und Eiber hatten bereits Erfolg mit dem PSMA-PET/CT. In München wandten sie das Verfahren bei 25 Männern an. Selbst in Krebs-Verdachtsfällen ist das Verfahren (noch) keine Kassenleistung. Das Ergebnis der Bildgebung war jedoch eindeutig. Es zeigte bei allen 25 Patienten klare Hinweise auf bösartige Tumoren, die die anschließende Operation bestätigte. Genau so soll bei den 150 Studien-Teilnehmern verfahren werden. „Die Bildgebung soll in einem Teil der Männer exakt zeigen, an welcher Stelle auffällige Veränderungen sind, so dass nur noch zwei bis drei Biopsien notwendig sein werden. Der nächste Schritt wird hoffentlich sein, dass wir ganz auf Biopsien verzichten zu können“, erklärt Heck. Die Untersuchungen mit der PSMA-PET/CT werden an allen sechs bayerischen Universitätsklinika durchgeführt: neben Augsburg und München (2x) Erlangen, Regensburg und Würzburg. „Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig und kostenlos“, sagt Heck.
Künstliche Intelligenz soll künftig die Diagnostik erleichtern
Mithilfe der gesammelten Bilddaten soll in einem weiteren Schritt eine Künstliche Intelligenz entwickelt werden, die bei der Diagnostik eingesetzt wird, ähnlich, wie das bereits bei Speiseröhrenkrebs und Hautkrebs geschieht. 2027 startet die Studie, Heck und Eiber rechnen im Jahr 2030 mit ersten Ergebnissen, da vorab zahlreiche Genehmigungen auf europäischer Ebene einzuholen seien.

Lesen Sie den Artikel als PDF hier.