Neue Hoffnung für Kinder mit seltenen Hirntumoren

Forschende des Universitätsklinikums Augsburg haben einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu neuen Therapieoptionen für Kinder mit hochaggressiven embryonalen Tumoren erreicht.

  • Dr. Nic Reitsam, Victoria Fincke, MSc. und Professor Dr. Pascal Johann erforschen neue Therapieoptionen

  • Universitätsklinikum Augsburg erhält großzügige Spende für Entwicklung zielgerichteter Therapien 

  • Hochrangige Publikation in Neuro-Oncology bildet Grundlage für Förderung durch die Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung

Augsburg, 11.8.2026 | Forschende des Universitätsklinikums Augsburg haben einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu neuen Therapieoptionen für Kinder mit hochaggressiven embryonalen Tumoren erreicht. Eine aktuelle Publikation in der renommierten Fachzeitschrift Neuro-Oncology beschreibt erstmals systematisch potenzielle therapeutische Zielstrukturen bei atypischen teratoiden/rhabdoiden Tumoren (ATRT) sowie extrakraniellen Rhabdoidtumoren. Die Ergebnisse bilden zugleich die Grundlage für ein neues Forschungsprojekt, das von der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung gefördert wird.

Die Arbeiten wurden von Dr. Nic Reitsam, Arbeitsgruppenleiter und Assistenzarzt am Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Augsburg, gemeinsam mit Victoria Fincke, MSc. und Professor Dr. Pascal Johann, beide Experimentelle Pädiatrie am Universitätsklinikum Augsburg, initiiert und durchgeführt.

Neue Zielstrukturen für seltene Tumoren identifiziert

ATRT und extrakranielle Rhabdoidtumoren gehören zu den aggressivsten Krebserkrankungen des Kindesalters. Trotz intensiver multimodaler Therapie sind die Behandlungsmöglichkeiten bis heute begrenzt. Umso wichtiger ist die Identifikation neuer molekularer Angriffspunkte, die künftig gezielt therapeutisch adressiert werden können.

In ihrer Studie konnten die Augsburger Forschenden erstmals ein umfassendes Profil therapeutisch relevanter Oberflächenstrukturen bei Rhabdoidtumoren erstellen. Besonders hervorzuheben ist der Nachweis der Zielstrukturen Interleukin-13-Rezeptor α2 (IL13Rα2), CXCR4 und des Fibroblast Activation Protein (FAP). Alle drei Moleküle stehen bereits im Fokus der translationalen Krebsforschung und werden in unterschiedlichen Tumorentitäten als Angriffspunkte für moderne Immuntherapien, Radioligandentherapien oder zelluläre Therapieansätze wie CAR-T-Zellen untersucht. Der Nachweis ihrer Expression bei ATRT und extrakraniellen Rhabdoidtumoren eröffnet damit vielversprechende Perspektiven für die Entwicklung neuer zielgerichteter Behandlungsstrategien bei diesen bislang therapeutisch nur eingeschränkt zugänglichen Tumoren. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese seltenen Tumoren deutlich mehr therapeutische Angriffspunkte besitzen als bislang angenommen. Mit IL13Rα2, CXCR4 und FAP konnten wir gleich mehrere vielversprechende Zielstrukturen identifizieren, die bereits Gegenstand intensiver translationaler Forschung in anderen Tumorentitäten sind. Dies eröffnet die Chance, innovative Therapieansätze künftig auch für Kinder mit Rhabdoidtumoren nutzbar zu machen“, so Dr. Nic Reitsam, Arbeitsgruppenleiter und Assistenzarzt am Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Augsburg.

Förderung schafft Grundlage für systematische Identifikation von Zielstrukturen

Die Ergebnisse der Publikation überzeugten auch die Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung, die ein Folgeprojekt fördert. Ziel des Projekts ist der Aufbau einer strukturierten Plattform zur Identifikation therapeutischer Zielstrukturen bei embryonalen Tumoren des Kindesalters.

Hierfür sollen moderne molekulare Analysemethoden etabliert und auf verschiedene seltene pädiatrische Tumorentitäten angewendet werden. Neben der Validierung bereits identifizierter Targets soll die Plattform weitere bislang unbekannte Zielstrukturen erschließen und deren Eignung für zukünftige Präzisionstherapien bewerten. Langfristig soll so die Grundlage geschaffen werden, Kindern mit diesen bislang nur eingeschränkt behandelbaren Erkrankungen den Zugang zu innovativen zielgerichteten Therapien zu ermöglichen.

„Kinder mit seltenen Hirntumoren profitieren bislang nur in begrenztem Maße von den Fortschritten der Präzisionsonkologie. Mit der Förderung der Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung können wir eine nachhaltige Infrastruktur für die systematische Identifikation therapeutischer Zielstrukturen aufbauen. Unser Ziel ist es, vielversprechende Targets möglichst schnell in präklinische und perspektivisch auch klinische Anwendungen zu überführen“, betont Professor Dr. Pascal Johann, Leiter der Experimentellen Pädiatrie am Universitätsklinikum Augsburg.

Forschung mit Perspektive

Die Förderung ermöglicht den Ausbau der wissenschaftlichen Infrastruktur am Universitätsklinikum Augsburg. Künftig sollen Tumorgewebe verschiedener embryonaler Tumoren des Kindesalters systematisch hinsichtlich therapeutisch relevanter Zielstrukturen untersucht werden. Dadurch entsteht eine Plattform, die langfristig die Entwicklung personalisierter Therapieansätze unterstützen und die Translation neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Versorgung beschleunigen soll.

Mit der Kombination aus hochrangiger wissenschaftlicher Publikation und erfolgreicher Drittmitteleinwerbung unterstreicht das Universitätsklinikum Augsburg seine wachsende Bedeutung als Forschungsstandort für seltene Krebserkrankungen des Kindesalters.

Info: Was sind ATRT und Rhabdoidtumoren?

Atypische teratoide/rhabdoide Tumoren (ATRT) gehören zu den aggressivsten Hirntumoren im Kindesalter und treten überwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern auf. Gemeinsam mit extrakraniellen malignen Rhabdoidtumoren zeichnen sie sich durch genetische Veränderungen im SMARCB1- oder seltener SMARCA4-Gen aus, die zu einer Störung des SWI/SNF-Chromatin-Remodelling-Komplexes führen. Trotz intensiver multimodaler Therapie ist die Prognose vieler Patientinnen und Patienten weiterhin ungünstig. Innovative zielgerichtete Therapieansätze gelten daher als einer der vielversprechendsten Wege, die Behandlung dieser seltenen Tumoren nachhaltig zu verbessern.

Über die Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung

Die Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung fördert innovative Projekte in Medizin und biomedizinischer Forschung mit dem Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst rasch in eine verbesserte Patientenversorgung zu überführen. Mit der Förderung des Augsburger Projekts unterstützt die Stiftung den Aufbau einer nachhaltigen Forschungsplattform zur systematischen Identifikation therapeutischer Zielstrukturen bei seltenen embryonalen Tumoren des Kindesalters und trägt damit zur Entwicklung zukünftiger Präzisionstherapien für betroffene Kinder bei.