Medizinwissen

Grundlagen und Enstehung

  • Entartete Plasmazellen: Das multiple Myelom ist eine Krebserkrankung des Knochenmarks. Dabei entarten bestimmte weiße Blutzellen, die sogenannten Plasmazellen.
     
  • Unkontrolliertes Wachstum: Eine einzelne Plasmazelle wird zur Tumorzelle und vermehrt sich unkontrolliert. Sie bildet eine Klone-Population (viele identische Zellen)
     
  • Blutkrebsform: Da es im Knochenmark sitzt, zählt das multiple Myelom zum Blutkrebs (genauer zu den malignen Lymphomen bzw. Plasmazellenerkrankungen)

Eigenschaften der Myelomzellen

Herdförmiges Wachstum: Die Tumorzellen breiten sich typischerweise an vielen verschiedenen Stellen im Knochenmark aus und bilden dort Herde.

Verdrängung: Die Myelomzellen verdrängen die gesunde Blutbildung im Knochenmark.

Eiweißproduktion: Die entarteten Zellen produzieren oft große Mengen eines funktionslosen Antikörpers, das sogenannte Paraprotein oder M-Protein.

Typische frühe Beschwerden

  • Unspezifische Rückenschmerzen: Diese werden oft mit normalen Verschleißerscheinungen oder Überlastungen verwechselt.
     
  • Müdigkeit und Schwäche: Eine durch die Verdrängung der Blutbildung entstehende Blutarmut (Anämie) führt zu Abgeschlagenheit und Leistungsabfall.
     
  • Infektanfälligkeit: Wiederkehrende Infektionen treten auf, weil das Immunsystem geschwächt ist.
     
  • Zufallsbefund: Bis zu ein Viertel der Betroffenen hat zu Beginn keine Beschwerden; die Krankheit wird dann oft durch Laborwerte (Blut oder Urin) bei einer Routineuntersuchung entdeckt

Neuste Erkenntnisse zum Multiplen Myelom

Neue Standards in der Erstlinientherapie

  • Vierfachkombinationen (Quadruplet-Therapien): Bei neu diagnostizierten Patienten ist eine Kombination aus einem CD38-Antikörper (wie Daratumumab oder Isatuximab), einem Proteasomhemmer (Bortezomib), einem Immunmodulator (Lenalidomid) und Dexamethason (Dara-VRd oder Isa-VRd) der neue Standard.
     
  • Intensive Remission: Diese Therapien reduzieren die bösartigen Plasmazellen so stark, dass bei vielen Betroffenen eine sogenannte MRD-Negativität (keine minimale Resterkrankung mehr messbar) erreicht wird.
     

Fortschritte bei der Erhaltungstherapie

  • Kombinierte Erhaltung: Nach einer Hochdosistherapie und Stammzelltransplantation kommt vermehrt eine doppelte Erhaltungstherapie (z. B. Daratumumab plus Lenalidomid) zum Einsatz, um das wiederauftreten der Erkrankung weiter zu verzögern. 


Bispezifische Antikörper und CAR-T-Zellen

  • Früherer Einsatz: Innovative Immuntherapien wie bispezifische Antikörper (z. B. Teclistamab, Elranatamab, Linvoseltamab) und CAR-T-Zelltherapien rücken zunehmend von Spätphasen in frühere Therapielinien vor.
     
  • Kombinationsstudien: Aktuelle klinische Studien (wie die Erforschung von Teclistamab in der Erstbehandlung) prüfen, wie sich diese Antikörper sicher mit Standardtherapien kombinieren lassen, um eine langfristige Krankheitskontrolle zu verbessern.
     

Infektionsprophylaxe im Fokus

  • Wichtige Begleittherapie: Da viele Patienten durch die Erkrankung und intensive Therapien einen Mangel an gesunden Abwehrstoffen (Immunglobulinen) aufweisen, gewinnen strukturierte Infektionsprophylaxen (Gabe von Immunglobulinen, Antibiotika oder Virostatika) stark an Bedeutung