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Ein Jahr "Region der Lebensretter": Ersthelfer häufig vor dem Rettungsdienst vor Ort

Am 15. Oktober 2025 ging das Ersthelfersystem „Region der Lebensretter“ im Rettungsdienstbereich Augsburg in den Alarmbetrieb. Der Bereich umfasst die Stadt Augsburg sowie die Landkreise Augsburg, Aichach-Friedberg, Dillingen a. d. Donau und Donau-Ries. Im ersten Jahr wurden 566 Alarmierungen ausgelöst. Bei 364 davon erreichte mindestens ein Ersthelfer den Einsatzort, bei 254 noch vor dem Rettungsdienst.

Augsburg | Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand entscheiden die ersten Minuten über die Aussichten der Betroffenen. Geht in der Integrierten Leitstelle ein solcher Notruf ein, alarmiert sie zeitgleich mit dem Rettungsdienst registrierte Ersthelfer über die App „Region der Lebensretter“. Das System berücksichtigt dabei die voraussichtliche Eintreffzeit des nächsten freien Rettungsmittels und schickt nur Helfer los, die schneller am Notfallort sein können. Bis zu vier Helfer werden alarmiert; zwei beginnen sofort mit der Herzdruckmassage, einer holt auf dem Weg den nächstgelegenen Defibrillator, ein weiterer unterstützt am Notfallort.

Starke Wachstumsraten bei Helfereinsätzen und Registrierungen

Im ersten Betriebsjahr wurden Helfer 849-mal zu Einsätzen geschickt, überwiegend mit dem Kraftfahrzeug (699), aber auch zu Fuß (88) und mit dem Fahrrad (62). Im Median reagierten sie nach 28 Sekunden auf die Alarmierung; die ersten Helfer trafen im Median 3 Minuten und 44 Sekunden nach Alarmbeginn beim Patienten ein. In 145 Fällen hatten Helfer einen Defibrillator dabei (87) oder holten ihn auf dem Weg (58). Von den 566 Alarmierungen betrafen 532 Erwachsene mit Herz-Kreislauf-Stillstand und 21 Kinder, darunter zehn Säuglinge.

Erfreulich ist die Entwicklung im Verlauf des Jahres. In den ersten zweieinhalb Monaten nach dem Start waren Helfer bei 37 von 129 Alarmierungen vor dem Rettungsdienst vor Ort, das entspricht 29 Prozent. Im Jahr 2026 waren es bis zum 12. Oktober 217 von 436 Alarmierungen und damit rund die Hälfte. Zugleich wuchs der Kreis der Helfer: Zum Jahreswechsel waren 1.457 registriert, heute sind es 2.121.

Prof. Dr. Axel Heller: „Wir erhalten viele positive Rückmeldungen“ 

„Unser Dank gilt zuerst den Helferinnen und Helfern“, sagt Prof. Dr. Axel R. Heller, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Augsburg und Regionenverantwortlicher der Region der Lebensretter im Rettungsdienstbereich Augsburg. „Sie lassen nachts, am Wochenende und, nach Vorabstimmung mit ihrem Arbeitgeber, auch mitten im Arbeitstag alles liegen, um einem Menschen beizustehen. Wie viele Patienten dadurch überlebt haben, lässt sich aus unseren Alarmierungsdaten nicht ablesen. Uns sind aber Fälle bekannt, über die teils auch schon in den Medien berichtet wurde, und vom Rettungsdienst wie aus den aufnehmenden Kliniken erhalten wir vielfach positive Rückmeldungen. Sicher ist zudem: Jede Minute, um die die Herzdruckmassage früher beginnt, verbessert die Aussichten der Betroffenen.“

„Schnelle Hilfe ist entscheidend. Nur dann hat die Patientin oder der Patient eine Chance, und wir können in der universitären Herzmedizin die Ursache behandeln“, sagt Prof. Dr. Philip Raake, Direktor der 1. Medizinischen Klinik für Kardiologie und Leiter des Cardiac Arrest Zentrums am Universitätsklinikum Augsburg.

Breites Unterstützernetzwerk trägt das Projekt 

Getragen wird das System von einem breiten Netzwerk. Die Integrierte Leitstelle Augsburg löst die Alarmierungen aus, der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Augsburg sichern dauerhaft die Finanzierung des Betriebs. Die in der Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Hilfsorganisationen haben den Aufbau maßgeblich mitgetragen; gemeinsam mit den Feuerwehren sowie den Kliniken und Praxen stellen sie den größten Teil der Helfer. Örtliche Ansprechpartner, die sogenannten Leuchttürme, betreuen die Helfer in ihrem Umkreis, weisen neue Helfer ein und haben die Defibrillatoren vor Ort im Blick. Die Banken der Region und weitere Förderer haben die Aufbauphase mit Spenden unterstützt, unter anderem für die gelben Einsatzwesten.

Frank Pintsch, Ordungsreferent der Stadt Augsburg: 

„Die Kolleginnen und Kollegen der Integrierten Leitstelle Augsburg sind rund um die Uhr und an jedem Tag des Jahres als Ansprechpartner für die Menschen in unserer Region da. Die Bevölkerung kann sich auf ihre professionelle Arbeit verlassen. Die Region der Lebensretter ergänzt dieses System in hervorragender Weise und ist ein Musterbeispiel für freiwilliges Engagement. Mein herzlicher Dank gilt allen Helferinnen und Helfern, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und im entscheidenden Moment Leben zu retten.“

Manuel Heckmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen: 

„Das erste Jahr „Region der Lebensretter“ in Augsburg zeigt eindrucksvoll, wie moderne Technik und gelebtes Ehrenamt Leben retten können. Der Erfolg dieses Systems basiert nicht nur auf der digitalen Alarmierung, sondern vor allem auf den vielen, durch ihr Ehrenamt oder ihren Beruf qualifizierten Einsatzkräften der Augsburger Hilfsorganisationen, die zusätzlich ihre Zeit, ihr Wissen und ihr Engagement für die Region der Lebensretter in den Dienst der Gemeinschaft stellen.

Unsere Ehrenamtlichen sind oft die Ersten vor Ort und können die entscheidenden Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken. Sie leisten damit einen unschätzbaren Beitrag zur Überlebenschance von Menschen mit Herz-Kreislauf-Stillstand. Ihr freiwilliger Einsatz, ihre hohe Qualifikation und ihre Bereitschaft, jederzeit zu helfen, sind das Fundament dieses erfolgreichen ersten Jahres.

Als Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen danken wir allen registrierten Lebensretterinnen und Lebensrettern sowie den vielen Ehrenamtlichen in unseren Reihen für ihren außergewöhnlichen Einsatz. Sie zeigen jeden Tag, was gesellschaftlicher Zusammenhalt und gelebte Solidarität bewirken können. Augsburg kann stolz auf dieses Engagement sein.“

Aufruf an qualifizierte Helfer

Bei 202 Alarmierungen, gut einem Drittel, erreichte kein Helfer den Einsatzort. Die Partner rufen deshalb Menschen mit medizinischer Qualifikation oder regelmäßiger Reanimationsschulung auf, sich zu registrieren: Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Rettungsdienstpersonal in der dienstfreien Zeit, Mitglieder von Hilfsorganisationen sowie Angehörige von Feuerwehren, Polizei, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk und weiteren Einrichtungen, die regelmäßig in der Wiederbelebung geschult werden. Die Anmeldung erfolgt über die App „Region der Lebensretter“; der Qualifikationsnachweis wird dabei hochgeladen und geprüft. Besonders gesucht werden Helfer im ländlichen Raum, vor allem im Landkreis Donau-Ries, wo bezogen auf die Fläche bislang die wenigsten Helfer registriert sind.

Bereits registrierte Helfer werden gebeten, in ihrem Umfeld für eine Registrierung zu werben.

Aufruf an Betreiber von Defibrillatoren

Der zweite Aufruf gilt den Betreibern von Defibrillatoren. Die App kann Helfer nur zu Geräten lotsen, die im System erfasst und im Moment des Notfalls zugänglich sind. In einer gemeinsamen Meldeaktion haben Helfer im Sommer Standorte in ihrer Umgebung überprüft und gemeldet; die Zahl der geprüften Geräte im Register stieg von Ende Juli bis Mitte Oktober von 776 auf 883. Von den 883 geprüften Defibrillatoren im Rettungsdienstbereich sind 713 rund um die Uhr zugänglich. In den Landkreisen liegt dieser Anteil zwischen 85 und 91 Prozent. In der Stadt Augsburg stehen tagsüber zahlreiche Geräte in Geschäften, Praxen und Einrichtungen bereit; rund um die Uhr zugänglich sind dort bislang 31 von 110 Geräten, weil die meisten in Gebäuden hängen und nachts sowie häufig auch am Wochenende nicht erreichbar sind. Herz-Kreislauf-Stillstände ereignen sich jedoch zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die Stadt Augsburg ergänzt die Versorgung durch Defibrillatoren, die ihr Ordnungsdienst mitführt. 

Die Partner bitten daher Unternehmen, Banken, Vereine, Kirchengemeinden und ausdrücklich auch die öffentliche Hand mit ihren Schulen, Hochschulen und Dienststellen, ihre Geräte von außen rund um die Uhr frei zugänglich zu machen, etwa in einem beheizten Wandschrank an der Außenwand, der sich ohne Schlüssel oder Code öffnen lässt. Für denkmalgeschützte Gebäude gibt es freistehende Stelen, die ohne Eingriff in die Fassade auskommen. Wer einen Defibrillator betreibt, der noch nicht erfasst ist, oder geänderte Zugangszeiten mitteilen möchte, kann dies unter www.regionderlebensretter.de/aed-melden tun.

„Ein Defibrillator, der nachts hinter einer verschlossenen Tür hängt, steht unseren Helfern im Notfall nicht zur Verfügung“, sagt Heller. „Oft genügt ein Außenschrank an der Hauswand, damit aus einem Gerät für die Öffnungszeiten eines für die ganze Nachbarschaft wird. Ein solcher Schrank kostet nur einen Bruchteil eines neuen Geräts. Wir danken allen Betreibern, die diesen Schritt bereits gegangen sind, und laden alle anderen herzlich ein, ihnen zu folgen.“

Über die Region der Lebensretter

Die „Region der Lebensretter“ ergänzt den regulären Rettungsdienst. Über eine App werden registrierte und fachlich geprüfte Ersthelfer zu Herz-Kreislauf-Stillständen in ihrer Nähe alarmiert, um die Zeit bis zum Beginn der Wiederbelebung zu verkürzen. Im Rettungsdienstbereich Augsburg ist das System seit dem 15. Oktober 2025 in Betrieb. Weitere Informationen: www.regionderlebensretter.de

Foto:  Universitätsklinikum Augsburg