Dennis Kundrat übernimmt neue Professur für medizinische Robotik
Medizinische Fakultät und UKA bauen mit Prof. Dr. Dennis Kundrat ihre Expertise für medizinische Robotik weiter aus: Kundrat hat zum 1. Oktober die neu eingerichtete W3-Professur für Roboter-assistierte Verfahren und intelligente Systeme in der Medizin übernommen. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht der Aufbau eines robotischen Zentrums.
Augsburg | Mit Prof. Dr. Dennis Kundrat bauen die Medizinische Fakultät der Universität Augsburg und das Universitätsklinikum Augsburg ihre Expertise im Bereich der medizinischen Robotik weiter aus. Zum 1. Oktober hat Kundrat die neu eingerichtete W3-Professur für Roboter-assistierte Verfahren und intelligente Systeme in der Medizin übernommen. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht der Aufbau eines robotischen Zentrums, das medizinische Robotik mit Künstlicher Intelligenz und Extended-Reality-Ansätzen im engen klinischen Kontext verknüpfen soll.
Prof. Dr. Dennis Kundrat studierte zunächst Luft- und Raumfahrttechnik an der Technischen Universität Berlin und anschließend Maschinenbau mit Schwerpunkt Mechatronik an der Leibniz Universität Hannover. Dort promovierte er im Rahmen des EU-Projekts µRALP zum Dr.-Ing. Nach Stationen an der Leibniz Universität Hannover, am Imperial College London, an der Medizinischen Hochschule Hannover und der University of Twente war er seit Ende 2023 Abteilungsleiter am Fraunhofer IMTE in Lübeck. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der medizinischen Robotik, mechatronischen Assistenzsystemen, Mensch-Maschine-Schnittstellen, künstlicher Intelligenz und der Automatisierung medizinischer Verfahren. Seit dem 1. Oktober 2026 hat der die neu errichtete W3-Professur für Roboter-assistierte Verfahren und intelligente Systeme in der Medizin an der Medizinischen Fakultät Augsburg inne. Kundrats Forschung setzt bei einer zentralen Frage an: Wie müssen robotische und mechatronische Assistenzsysteme gestaltet sein, damit sie im klinischen Alltag tatsächlich einen Mehrwert für Ärztinnen und Ärzte und letztlich für Patientinnen und Patienten bieten? Dabei verbindet der Ingenieur die Entwicklung neuer Technologien eng mit der Analyse klinischer Arbeitsabläufe und der Einbindung der späteren Anwenderinnen und Anwender.
Innovative Technologien konsequent aus Perspektive der klinischen Anwendung denken
„Die Verbindung von Medizin und innovativen Technologien ist ein wichtiger Baustein für die Medizin der Zukunft. Mit Prof. Kundrat gewinnen wir einen Wissenschaftler, der technische Entwicklung konsequent aus der Perspektive der klinischen Anwendung denkt“, sagt Prof. Dr. Martina Kadmon, Dekanin der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg. „Seine Professur schafft damit neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit zwischen klinischer Medizin, Informatik und Medizintechnik.“ Zu den Forschungsschwerpunkten Kundrats gehören menschzentrierte mechatronische Assistenzsysteme, robotische Systeme und Verfahren für chirurgische und interventionelle Anwendungen sowie die bildbasierte Analyse und Quantifizierung medizinischer Eingriffe und Trainingssituationen. Mithilfe von Deep Learning untersucht er beispielsweise, wie sich aus klinischen Abläufen Wissen für Assistenz- und Automatisierungssysteme ableiten lässt.
Künstliche Intelligenz und immersive Technologien gezielt integrieren
Ein Beispiel für Kundrats bisherige Forschung ist die Entwicklung eines neuartigen Kontinuumsroboters für endoskopische Eingriffe in engen und komplexen anatomischen Bereichen. In einem weiteren Schwerpunkt entwickelte er eine MRT-kompatible robotische Plattform für die endovaskuläre Chirurgie. Die Systeme wurden in präklinischen und In-vivo-Studien unter Einbeziehung klinischer Endanwenderinnen und Endanwender evaluiert. An der Universität Augsburg will Kundrat diese Ansätze weiterentwickeln und dabei Künstliche Intelligenz und immersive Technologien gezielt integrieren. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der menschzentrierten Entwicklung: Neue Systeme sollen nicht nur technisch leistungsfähig sein, sondern auch den Anforderungen der klinischen Anwenderinnen und Anwender entsprechen. Im Alltag soll eine hohe Akzeptanz durch kontinuierliche Einbindung von Klinikerinnen und Klinikern in den Forschungs- und Entwicklungsprozess erzielt werden.
Interdisziplinäres Zentrum für medizinische Robotik
Eine zentrale Aufgabe seiner Professur ist der Aufbau eines interdisziplinären Kompetenz- und Expertenteams an den Schnittstellen von Medizin, Informatik und Medizintechnik. Dafür sollen enge Kooperationen mit den chirurgischen und interventionellen Fächern des Universitätsklinikums Augsburg sowie mit den Professuren im Bereich Medical Information Sciences an der Medizinischen Fakultät und der Fakultät für Angewandte Informatik entstehen.
Kundrat bringt dafür ein internationales wissenschaftliches und industrielles Netzwerk mit. Zu seinen bisherigen Stationen gehören unter anderem das Hamlyn Centre for Robotic Surgery am Imperial College London und die University of Twente in den Niederlanden. Seit Ende 2023 leitete er die Abteilung Therapie an der Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte Medizintechnik (IMTE) in Lübeck und wurde Ende 2025 auf die Professur Geräteentwicklung in der Medizintechnik an der Technischen Hochschule Lübeck berufen.
© Samuel Tschaffon | Universitätsklinikum Augsburg