Im Blickpunkt

Fokale Therapie: Neue Behandlung bei Prostatakrebs

Die häufigste Krebserkrankung bei Männern ist Prostatakrebs. Dabei bilden sich bösartige Geschwulste (Karzinome) in der Vorsteherdrüse (Prostata) des Mannes. Jedes Jahr erkranken daran 60.000 Männer, häufig um das 69. Lebensjahr herum. Bei erblicher Vorbelastung oder anderen Risikofaktoren wie Übergewicht kann die Erkrankung aber schon früher auftreten. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen verläuft die Therapie erfolgreich, vor allem dann, wenn der Krebs frühzeitig entdeckt wird. Oft ist die Behandlung jedoch mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden, da beispielsweise bei der Brachy- oder Strahlentherapie auch gesundes Gewebe bestrahlt und zerstört wird. Auch bei einer Operation lassen sich bei aller Sorgfalt Folgeerscheinungen wie Harninkontinenz oder Impotenz nicht immer vermeiden.

Schonende Behandlung für Männer mit einem Niedrigrisikotumor

Mit der neuen fokalen Therapie für Patienten mit kleinen, begrenzten und wenig invasiven Tumoren kann das Tumorgewebe exakt lokalisiert und mit Ultraschall zerstört werden. Zudem werden empfindliche Strukturen geschont – wie beispielsweise die Gefäßnervenbündel, die für den Potenzerhalt wichtig sind. Außerdem kann auch jede andere Art von Therapie problemlos angeschlossen werden.

Möglich macht dies der Focal One® – ein Hightechgerät mit minimal-invasiver Technologie, das Ultraschall mit Magnetresonanztomografie (MRT) vereint und mit kurzem Aufenthalt im Krankenhaus eingesetzt werden kann. Um die hohen Kosten des Geräts mit einem Wert von rund einer Million Euro zu stemmen, rotiert es zurzeit zwischen sieben Kliniken, wo es jeweils für circa eine Woche zum Einsatz kommt. Die Reise geht über München, Nürnberg, Ingolstadt, Bamberg, Bayreuth und Reutlingen bis der Focal One® nach rund sechs bis acht Wochen wieder im Universitätsklinikum Augsburg steht.

Der Focal One® im ICCA

Seit Januar 2017 werden fokale Behandlungen auch im ICCA amUniversitätsklinikum Augsburg erfolgreich durchgeführt. Der vierundsiebzigjährige Wolfgang B. war der Erste, der mithilfe des Focal One® im Universitätsklinikum Augsburg an der Prostata behandelt wurde. Nach seiner jährlichen Vorsorgeuntersuchung schickte ihn sein Hausarzt aufgrund eines erhöhten PSA-Werts (prostataspezifisches Antigen) ins Neuburger Krankenhaus, wo ihm Gewebeproben entnommen wurden. „Mein Arzt sagte, zwei Biopsien lieferten Hinweise auf eine Tumorerkrankung“, erzählt er. „Gleichzeitig berichtete mir der Arzt von einer neuartigen Behandlungsmethode bei Prostatakrebs, die jetzt im Universitätsklinikum Augsburg angeboten werde.“ Heute ist er unendlich dankbar, dass er sich für die fokale Therapie am Universitätsklinikum Augsburg entschieden hat. „Ich war zu zwei Gesprächen in Augsburg und hatte kurze Zeit später meinen OP-Termin“, sagt Wolfgang B. Drei Tage später war er wieder bei seiner Familie, und vier Wochen danach geht es ihm nach eigener Aussage schon sehr gut. „Ich habe“, erzählt er, „keinerlei Schmerzen beim Sitzen, Autofahren oder Gassigehen mit dem Hund. Etwas Blut ist manchmal noch in meinem Urin. Aber das sei normal, hat mir mein Arzt erklärt, das gehe auch bald weg.“