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»Wir lernen sekündlich dazu«

Studie: Augsburger Umweltmediziner erforschen Krankheitsverlauf bei COVID-19

Corona fordert die Wissenschaft und jene, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, erkrankte Menschen optimal zu therapieren. Dazu soll eine Studie beitragen, die zurzeit federführend vom Lehrstuhl für Umweltmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg erarbeitet wird. Ihr Ziel: Bei einer Covid-19-Erkrankung möglichst früh zu erfahren, wie sie verlaufen wird und wie sie behandelt werden kann.

Die Zentrifugen laufen Tag und Nacht, sagt Professor Dr. Claudia Traidl-Hoffmann. Denn die Mitarbeiter der Inhaberin des Augsburger Lehrstuhls für Umweltmedizin sind fleißige Sammler. Blut ist der Stoff, aus dem die Wissenschaftler im Labor neue Erkenntnisse in Sachen covid-19 gewinnen wollen. Und dieses Blut erbitten die Mediziner von den Teilnehmenden der sogenannten Early-Opt-COVID-19 Studie, um in Zukunft mehr über Verlauf und Heilungschancen von Corona-Erkrankungen sagen zu können. Auch Langzeitbeschwerden, die sich wie ein dunkler Schatten auf die Seele legen können, stehen unter Beobachtung.

»UMWELT, KLIMA UND GESUNDHEIT SIND DIE GROSSEN THEMEN DER ZUKUNFT.«

Der Lebenssaft kann den Corona-Detektiven in Weiß, die auf rund 300 Studien- Teilnehmer hoffen, viel berichten. Sogenannte Biomarker – bestimmte Merkmale im Blut, können als Botenstoffe oder Oberflächenmerkmale von Zellen wichtige Informationen über Risiken und mögliche Krankheitsverläufe geben. Schon in einer ersten Studie gelang es dem Team um Dermatologin Traidl-Hoffmann, solche Biomarker dingfest zu machen. »Es ist unfassbar und erschreckend zugleich, wie genau wir damit den Verlauf von Erkrankungen vorhersagen können«, erläutert die Lehrstuhlinhaberin, die 2001 von einem Auslandsaufenthalt in Rom ans Münchner Klinikum rechts der Isar kam und 2013 ihren Ruf nach Augsburg erhielt, wo sie auch als Direktorin des
Helmholtz Zentrum fungiert. Ein Jahr später übernahm sie als Direktorin die damalige Umweltambulanz am Klinikum, die jetzige Hochschulambulanz am Universitätsklinikum.

Dieser ersten Studie, die mittlerweile erfolgreich veröffentlicht wurde, folgt nun darauf aufbauend die nächste Untersuchung, die ihre Mitarbeiter in die örtlichen Testzentren ausschwärmen lässt und die vom bayerischen Wissenschaftsministerium gefördert wird. »Bestimmte Merkmale im Blut, im Nasensekret und in Abstrichen aus dem Rachen«, so erläutert Traidl-Hoffmann, »geben uns Hinweise auf bestimmte Muster, wie der Körper auf das Eindringen des Virus reagiert.« Je genauer man diese Fahrpläne kenne, desto bessere und maßgeschneiderte Medikamente ließen sich entwickeln. In mehreren Schritten werden Erkrankte und negativ Getestete als Kontrollgruppe beobachtet und untersucht.

Über ein Jahr Pandemie heißt für die Wissenschaftler, über ein Jahr lang neue Erkenntnisse gewonnen zu haben. »Wir lernen sekündlich dazu«, formuliert es die Professorin. »Wir denken bei unserer Arbeit bereits an die nächste Pandemie und wie wir damit besser umgehen können.« Und daran, welche Rolle eine gesunde Ernährung, der individuelle Lebensstil sowie genetische Voraussetzungen spielen können, wenn es darum geht, ob eine Infektion einen schweren oder leichten Verlauf nimmt.

Im Herbst werde man als eine Erkenntnis aus diesen Studien auch Ernährungstipps geben. Dahinter steht eine neue Form des Denkens: »Wir müssen die Dinge ganzheitlich betrachten«, sagt die engagierte Umweltmedizinerin, die sich auch mit der Erforschung von Allergieerkrankungen einen Namen gemacht hat. »Wenn wir wie bisher denken, kommen wir nicht weiter.« Umwelt, Klima und Gesundheit sind für sie die großen Themen der Zukunft. Ständig gewinne man neue Erkenntnisse und entwickle neue Strategien. »Nur«, so ihr unüberhörbarer Seufzer, »mit der Umsetzung hapert es gewaltig.« Vieles geschehe, blicke man nur auf die Impfkampagne der letzten Monate, »unfassbar langsam.«

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STUDIE Early-Opt-COVID-19
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eoc.umweltmedizin@med.uni-augsburg.de

Mehr Informationen unter:
www.unika-t.de/lehrstuehle/umweltmedizin/studie-early-opt-covid-19/

Sie haben Fragen?

Ihr/e Ansprechpartner/in steht Ihnen über unten stehende Kontaktdaten für Fragen zur Verfügung.

Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann

Direktorin der Ambulanz für Umweltmedizin

Fachärztin für Dermatologie, Venerologie und Allergologie

Zusatzbezeichnung: Umweltmedizin

Telefon: 0821 400-3203
Fax: 0821 400-3201

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Sonderseite zum Coronavirus

Hinweis

Dieser Artikel erschien zu erst in der Ausgabe 2/2021 des Gesundheitsmagazins "GESUNDHEIT ganz groß". Die gesamte Ausgabe finden Sie als PDF-Datei zum nachlesen hier: Ausgabe 2/2021.

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