Studie: Erhöhte Rate von Beinvenenthrombosen bei Covid-19-Patienten

Coronavirus | Studie von Gefäßchirurgen bestätigt erhöhte Rate von Beinvenenthrombosen bei Covid-19-Patienten - Am Universitätsklinikum Augsburg wurden zwischen dem 18. und 30. April 20 Covid-19-Intensivpatienten bezüglich des Auftretens tiefer Beinvenenthrombosen untersucht. Die Kontrollgruppe bestand aus 20 Intensivpatienten ohne Covid-19.

Die Wissenschaft, insbesondere die Medizin, sammelt derzeit weltweit wichtige Erkenntnisse zum besseren Verständnis von Sars-CoV-2. Erste Studien konnten zeigen, dass das Virus nicht nur den Respirationstrakt schädigt, sondern auch andere anatomische Strukturen wie z.B. das Gefäßsystem negativ beeinflusst. Bekannt ist auch, dass intensivpflichtige Patienten per se ein erhöhtes Risiko für Thrombosen des tiefen Venensystems aufweisen. Zehn bis 15 Prozent der Patienten entwickeln trotz Thromboseprophylaxe sogenannte tiefe Beinvenenthrombosen (TVT). Die Wissenschaftler der Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie am Universitätsklinikum Augsburg unter der Leitung von Prof. Alexander Hyhlik-Dürr fragten sich deshalb, ob die TVT bei an Covid-19 erkrankten Intensivpatienten häufiger vorkommt als bei intensivpflichtigen Non-Covid-19-Patienten. Die Ergebnisse der Studie wurden nun in einer der wichtigsten Fachzeitschriften für Chirurgie in Deutschland, Der Chirurg, veröffentlicht.

Weltweit beschreiben Forscher ein erhöhtes Auftreten von sogenannten tiefen Beinvenenthrombosen (TVT) bei intensivpflichtigen Covid-19-Patienten. Studien zu dem Thema gibt es bisher nur wenige. Keine bisher bekannte Studie hat das Thema bislang prospektiv begleitet, also die Covid-19-Patienten aktiv auf das Auftreten tiefer Beinvenenthrombosen während ihres stationären Aufenthaltes auf der Intensivstation gescreent. Das haben die Gefäßchirurgen am Universitätsklinikum Augsburg nun mit der Studie "Erhöhtes Risiko für tiefe Beinthrombosen bei Intensivpatienten mit Covid-19-Infektion? – Erste Daten" geändert.

Alle Patienten mussten teilweise beatmet werden

Dr. Sebastian Zerwes, Erstautor der Studie, erklärt: „Wir haben alle Patienten mit positivem Sars-CoV-2-Nachweis untersucht, die zwischen dem 18. und dem 30. April auf der Intensivstation des Klinikums behandelt wurden. Das waren insgesamt 20 Patienten, die alle zeitweise beatmet werden mussten.“ Als Kontrollgruppe dienten Zerwes und seinen Kollegen im gleichen Zeitraum 20 ebenfalls auf einer Intensivstation betreuten Patienten, die jedoch nicht an Covid-19 erkrankt waren. Der Virus-Nachweis erfolgte mittels PCR-Test. Alle 40 Patienten wurden auf oberflächliche oder tiefe Beinvenenthrombosen untersucht und bis zu ihrer Entlassung von der Intensivstation, bis zu ihrem Tod oder bis zum Studienende am 30. April intensiv beobachtet.

Höhere Sterblichkeit durch Covid-19 und Beinvenenthrombose vermutet

Die Augsburger Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die Häufigkeit von tiefen Beinvenenthrombosen bei Intensivpatienten mit Covid-19 mit 20 Prozent deutlich höher war im Vergleich zur Kontrollgruppe der Intensivpatienten ohne Covid-19 mit fünf Prozent. Gleichzeitig stellten sie fest, dass die Covid-19-Patienten neben der TVT auch deutlich erhöhte Proteinwerte im Blut aufwiesen, die, vereinfacht gesagt, bei der Auflösung eines Blutgerinnsels entstehen. Sie gehen auch davon aus, dass die Sterblichkeit von intensivpflichtigen Covid-19-Patienten durch TVT negativ beeinflusst wird.

Zerwes und seine Kollegen empfehlen daher bei der stationären Aufnahme von Patienten mit SARS-CoV2-Verdacht oder -Nachweis die Bestimmung der sogenannten D-Dimere, also der Proteine, die bei der Auflösung eines Blutgerinnsels entstehen, und im Falle deutlich erhöhter Werte die rasche  Untersuchung der tiefen Beinvenen mittels Kompressionssonographie. So könnten TVT früh erkannt und durch Verabreichung von Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung gezielt behandelt werden. Alle stationären CoViD-19-Patienten sollten zudem eine individuelle Thromboseprophylaxe erhalten.

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