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So winzig. So stark

Welt-Frühgeborenen-Tag: Am 17. November erstrahlen Rathaus, Kö-Dreieck, WWK-Arena und Kinderklinik in der Farbe Lila, um auf die Probleme zu früh geborener Kinder aufmerksam zu machen. Wie Sophia, die mit 340 Gramm in der Uniklinik zur Welt kam

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Hinweis:

Dies ist eine Pressemitteilung des Universitätsklinikums Augsburg.
Den Kontakt zur Pressestelle finden Sie hier: Presse.

Von Ines Lehmann | Als Sophia zur Welt kam, war alles an ihr winzig. Ihr Geburtsgewicht lag bei 340 Gramm, gerade mal ein Zehntel des Gewichts eines normalgeborenen Kindes. Damit war sie eines der leichtesten Frühchen, das in der Uniklinik zur Welt kam. Ihre Überlebenschancen waren minimal. Aber Sophia hat es geschafft. Nach mehreren Monaten intensiver medizinischer Betreuung in der Neonatologie des UKA und dreier operativer Eingriffe konnte sie nach Hause entlassen werden. Heute ist Sophia zehn Jahre alt und ein gesundes, aufgewecktes, fröhliches Mädchen. Bis zum Beginn der Pandemie besuchte sie zusammen mit ihren Eltern regelmäßig die Kinderklinik am Welt-Frühgeborenen-Tag am 17. November. 

Nicht jeder hat so viel Glück wie Sophia und ihre Eltern. Ein Kind zu verlieren, ist für Eltern die schlimmste Vorstellung. Drillings-Frühchen sterben zu sehen, darüber will man nicht nachdenken. Und doch ist es geschehen, im Jahr 2006. Der Vater der Drillings-Frühchen gehört zu den Gründern der Stiftung EFCNI (European Foundation for the Care of Newborn Infants). Am 17. November 2008 wurde derselbe Mann Vater einer gesunden Tochter. Seitdem erinnert die Welt am 17. November jedes Jahres an zu früh geborene Kinder, die oft keinen leichten Start ins Leben haben. Weltweit treffen sich Elterngruppen, weltweit erstrahlen Kliniken und öffentliche Gebäude am 17. November in der Farbe Lila. In Augsburg beteiligen sich neben der Kinderklinik Augsburg | Mutter-Kind-Zentrum Schwaben die Stadt Augsburg mit Rathaus und Verwaltungsgebäude 1, der FC Augsburg mit der WWK-Arena und die Stadtwerke mit dem Kö-Dreieck, um auf die zirka 60.000 zu früh geborenen Kinder in Deutschland aufmerksam zu machen, die die größte Kinderpatientengruppe überhaupt stellen.  

Am UKA wurden in den letzten fünf Jahren 1.400 Kinder zu früh geboren, also vor Ablauf der 37. Schwangerschaftswoche. Davon waren 150 extrem kleine Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1.000 Gramm. Insgesamt sind acht bis zehn Prozent aller Geburten Frühgeburten – Tendenz steigend. Ein Grund dafür könnte sein, dass aufgrund des medizinischen Fortschritts heute Frauen eine Schwangerschaft ermöglicht wird, die noch vor 30 Jahren kein Kind bekommen hätten. Nicht selten sind mit der zu frühen Geburt Probleme und Risiken für die weitere Entwicklung dieser Kinder verbunden. „Dazu können Gedeih-Probleme, Entwicklungsstörungen bis hin zu Seh- und Lernbehinderungen zählen“, erklärt Dr. Wilfried Schenk, Sektionsleiter der Neonatologie-Intensivstation. „Aber auch sensationell gute Entwicklungen bis hin zum 1,0-Abitur haben wir schon erlebt.“  

Die Eltern von Frühgeborenen durchleben in den ersten Wochen und Monaten eine Zeit des Bangens und Hoffens. Pflegekräfte, psychosoziale Mitarbeiter und das Nachsorgeteam des Bunten Kreises unterstützen neben der medizinischen und pflegerischen Arbeit an den Frühgeborenen die Familien in dieser schweren Zeit in vielerlei Hinsicht. Das reicht von psychologischem und seelischem Beistand über Stillberatung, Sozialberatung bis hin zur Beratung und Anleitung bei Pflege und Förderung eines Frühchens. Seit vielen Jahren hat sich eine entwicklungsfördernde Neonatal-Begleitung etabliert, die beständig weiterentwickelt wird. Ein großer Baustein davon ist, die Eltern schon sehr früh in die Betreuung und Pflege der kleinen Intensivpatienten einzubeziehen, idealerweise ab dem ersten Tag. Denn der Aufbau einer frühen Bindung zwischen Eltern und Kind ist besonders wichtig für eine gute neurologische Entwicklung von Frühgeborenen. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte Känguruhen, bei dem das Kind Haut an Haut auf der Brust der Eltern liegt, damit es durch deren Herzschlag und Atmung zum Weiteratmen angeregt wird.  

Den Welt-Frühgeborenen-Tag am 17. November nimmt der 1990 gegründete Augsburger Förderkreis für Früh- und Risikogeborene jedes Jahr zum Anlass, um den Austausch der Betroffenen zu unterstützen und Kontakte zu pflegen. Der Verein setzt sich für die Förderung von Frühgeborenen und deren Eltern ein. Er versteht sich als Brücke zwischen Eltern und Kinderklinik. Deshalb werden seit 2008 ehemalige Frühgeborene der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKA mit ihren Eltern eingeladen, um sich bei Kaffee und Kuchen auszutauschen. Leider fällt diese schöne Tradition Pandemie-bedingt heuer wieder aus. Stattdessen erhalten die Frühchen-Eltern kleine Aufmerksamkeiten für ihre kleinen Helden.

 

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