Hoffnungsträger bei Krebstherapie

Weltkrebstag Die Immuntherapie bei Krebs ist in aller Munde. Sie birgt für viele Patienten große Hoffnung. Selbst dann, wenn sie nicht primär einen heilenden, sondern lebensverlängernden Ansatz verfolgt

Im ersten Moment mag die Nachricht, dass die Immuntherapie bei Krebserkrankungen nur in wenigen Fällen zu einer Ausheilung der Krankheit führen kann, pessimistisch klingen. Doch wie beim Patientenforum des Interdisziplinären Cancer Centers Augsburg (ICCA) schnell klar wurde, dürfen sich Krebspatienten bei einigen der häufigen Krebserkrankungen dennoch Hoffnung machen. Denn in vielen Fällen gelingt es durch die Immuntherapie den Krebs zu einem Verlauf ähnlich einer chronischen Krankheit zu machen: Der Tumor wächst nicht weiter, das Immunsystem hält ihn in Schach. Die Erkrankung schreitet nicht voran.
Der Hörsaal des UKA war gesteckt voll, als Prof. Dr. Martin Trepel, Direktor des ICCA, die zirka 230 Patienten und ihre Angehörigen begrüßte und das Thema des Patientenforums kurz erläuterte. Als Referenten übernahmen zu Beginn Dr. Frank Jordan und Prof. Dr. Björn Hackanson. Nach der Pause gingen die Referenten Dr. Eser, Dr. Krämer,  Dr. Sagasser, PD Dr. Steinestel und Prof. Hackanson auf verschiedene Krebserkrankungen ein, bei denen die Immuntherapie heute Anwendung findet.

Um Krebs zu verstehen, muss man wissen, was Krebs ist. Ein Tumor entsteht aus körpereigenen Zellen infolge einer überschießenden Zellteilung. Während gesunde Zellen in einem natürlichen Alterungsprozess absterben, tun Krebszellen das nicht. Im Gegenteil. Sie wachsen in gesundes Gewebe ein, zerstören es, bilden unter Umständen Metastasen.

Der körpereigenen Abwehr kommt bei der Verhinderung von Krebserkrankungen eine besondere Bedeutung zu: Sie muss die körpereigenen Krebs-Zellen als fremd interpretieren, sie also erkennen, sich an sie erinnern, um sie dann zu bekämpfen. Sehr vereinfacht ausgedrückt, heißt das: Jede Immunzelle verfügt über ein Gas- und ein Bremspedal, mit dem sie den Körper gegen Attacken – Krankheiten, Infektionen – verteidigen. Dringen schädliche Zellen ein, fährt das Immunsystem hoch, ist die Krankheit vorüber, bremst es. Nun gelingt es aber einigen Tumorzellen, das Bremspedal der Immunzellen zu betätigen, um sich selbst ungehindert vermehren zu können. Am ICCA unterscheidet man drei unterschiedliche Immuntherapien:

  •  Im Fall von Lymphdrüsenkrebs, teils auch bei Darmkrebs und Tumoren im Kopf- und Halsbereich werden den Patienten Antikörper zugeführt, die auf den Tumorzellen andocken, so dass das Immunsystem Gas gibt und genau diese Tumorzellen angreift. Diese Art der Immuntherapie wird bereits seit 20 Jahren bei den genannten Krebserkrankungen recht erfolgreich angewandt.
  •  Auch bei der zweiten Art der Immuntherapie werden dem Patienten Antikörper über eine Infusion zugeführt. Diese greifen aber nicht die Tumorzellen an, sondern schützen das oben erwähnte Bremspedal der Immunzellen. Die erkennen den Fehler im System und greifen an. Gute Erfolge wurden mit dieser Form der Immuntherapie bei schwarzem Hautkrebs, Lungenkrebs, Nierenzellkrebs und einer besonders aggressiven Form von Brustkrebs erzielt.
  • Die dritte Art der Immuntherapie ist die jüngste und teuerste. Hierbei werden die Immunzellen genetisch so verändert, dass sie in der Lage sind, auch die maskierten Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen. Das tun Krebszellen nämlich manchmal. Sie täuschen die Immunzellen, also die körpereigene Abwehr, indem sie sich, sehr laienhaft gesagt, unkenntlich machen. Funktioniert gut bei vielen Arten des Lymphdrüsenkrebses und einer speziellen Form der Leukämie.

Für ihre Entdeckung der zweiten Form der Immuntherapie erhielten der Japaner Tasuku Honjo und der US-Amerikaner James P. Allison 2018 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin (Anm.d.Red.: kein Fehler). Generell lässt sich über die Immuntherapie aber sagen, dass sie die Chemotherapie, die, im Gegensatz zur Immuntherapie, häufig schlimme Nebenwirkungen zeigt, nicht immer ersetzen, sondern nur ergänzen kann. Während aber eine Chemotherapie zeitlich begrenzt ist, kann die Immuntherapie dauerhaft fortgeführt. Sie kann den Tumor, wie bereits erwähnt, zu einer chronischen Krankheit machen, mit welcher der Patient leben kann, ohne dass die Tumorerkrankung fortschreitet.

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