„Die Krankenhaus-Welt fasziniert mich heute noch“

Interview mit Susanne Arnold, Pflegedirektorin des Universitätsklinikums Augsburg, zum Internationalen Tag der Pflege. Im Interview erzählt sie, was sie heute noch an ihrem Beruf begeistert und was ihr fehlt. In Bezug auf die Corona-Krise hat sie eine große Hoffnung.

Frau Arnold, Sie sind Pflegedirektion am Universitätsklinikum Augsburg und damit Vorgesetzte von zirka 2.000 Pflegenden. Das war aber nicht immer so, wie begann Ihre Karriere?

Susanne Arnold: Eigentlich ganz klassisch, und zwar mit der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Haben Sie diese Entscheidung je bereut?

Susanne Arnold: Nie, kein bisschen. Ich bin bei einem schulischen Praktikum im Kreiskrankenhaus Krumbach darauf gekommen. Ich wusste am 2. Tag, was ich werden wollte.

Wie ging es dann weiter?

Susanne Arnold: Nach der Ausbildung habe ich die Fachweiterbildung zur Intensivpflege absolviert und einige Jahre als Intensiv-Krankenschwester gearbeitet. Das fand ich sehr erfüllend. Aber ich wollte studieren und habe überlegt: Medizin oder Pflege. Ich habe mich für Pflegemanagement entschieden.

Was hat Sie so fasziniert an einem Beruf, der ja nicht gerade leicht ist?

Susanne Arnold: Zuerst die Sorge und Betreuung für den Patienten, das Begleiten von Menschen in schwierigen Lebensphasen. Aber es ist mehr. Es ist dieses Zusammenspiel von Medizin, Wissenschaft, Technik, das Miteinander im Team, eben die ganze Krankenhaus-Atmosphäre. Diese Welt fasziniert mich heute noch.

Man braucht aber schon dieses spezielle Gen, dieses Helfersyndrom?

Susanne Arnold: Ich mag dieses Wort nicht. Es impliziert für mich so ein bisschen die-Welt-retten-wollen. Ich kann die Welt nicht retten. Ich kann nur mit ganzer Kraft für den Menschen da sein, der einen Krankenhaus-Aufenthalt benötigt. Der endet ja nicht immer positiv. Vor allem auf den Intensivstationen. Im Krankenhaus liegen Freud und Leid nah beieinander.

Wie viel bekommen Sie als Pflegedirektorin davon noch mit? Sind Sie noch am Krankenbett tätig?

Susanne Arnold: Natürlich bin ich häufig auf den Stationen unterwegs, aber sie haben schon Recht: Direkt im Kontakt mit Patienten bin ich nicht mehr. Leider, muss ich sagen. Das sah das Pflegestudium von damals nicht vor. Das ist eine Lücke in der Ausbildung, die wir gerade zu schließen beginnen.

Können Sie das bitte erläutern?

Susanne Arnold: Viele unserer Pflegekräfte würden sich gern weiterentwickeln und studieren, wollen aber die Arbeit am Krankenbett nicht aufgeben. Deshalb haben sie sich ja für den Pflegeberuf entschieden. Das heißt, wir wollen das Pflegestudium und die Arbeit am Krankenbett miteinander verbinden. Es gab schon einen dualen Studiengang Pflege. Der wird gerade weiterentwickelt und künftig in anderer Form angeboten. Wir haben, vor allem im Intensivbereich mit seiner High-Level-Technik, Pflegemitarbeiter mit Master oder Bachelor of Science, die sowohl Patienten betreuen, als auch Forschung betreiben und Studien begleiten. Das wollen wir ausbauen. Deshalb stehen wir mit der Medizinischen Fakultät im engen Kontakt. Corona hat uns da ein bisschen zurückgeworfen.

Apropos Corona: Was sind denn die größten Herausforderungen für Sie und Ihre Kollegen in diesen schwierigen Zeiten?

Susanne Arnold: Wir haben, um für einen möglichen Ansturm an Covid-19-Patienten gewappnet zu sein, Normalstationen aufgelöst und ganze Bereiche umorganisiert. Wir haben Pflegemitarbeiter ohne die entsprechende Fachweiterbildung in die Intensivpflege eingearbeitet. Teilweise haben Mitarbeiter ihre gewohnten Teams verlassen, um andere Stationen zu unterstützen. Alle sind hochflexibel und wahnsinnig engagiert. Dafür kann man ihnen nur danken, danken, danken.

Wenn man also Corona überhaupt etwas Positives abgewinnen kann, dann vielleicht, dass der Pflegeberuf wieder mehr Wertschätzung in der Gesellschaft genießt?

Susanne Arnold: Wenn es so wäre, fände ich das nicht nur schön, sondern sogar dringend notwendig. Der Applaus an offenen Fenstern und auf Balkonen ist zwar eine nette Geste, aber das reicht nicht, um junge Menschen für diesen Job zu begeistern. Der Pflegeberuf ist so wichtig und Pflegende so unentbehrlich für die Gesellschaft. Wir alle sind abhängig von ihnen, das muss jedem einzelnen bewusst sein. Ich hoffe, dass die momentane Wertschätzung Corona überdauert.

 

Hinweis:

Darüber hinaus wurde zum Tag der Pflegenden die neue Personalmarketingkampagne - »be part of the heart« - des Universitätsklinikum Augsburg für die Pflege vorgestellt. Hier erfahren Sie mehr: be part of the heart.

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