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Wenn alte Menschen plötzlich Motorrad fahren

Alterstraumatologie - Auf einer speziellen Station für betagte Patienten der Unfallchirurgie führen ein Computerspiel und besonderes Geschirr zu einer Verbesserung deren Gesundheitszustandes. Ein Königsbrunner Unternehmerpaar macht es möglich.

Augsburg (ilm) – Horst Wahl legt sich mit dem Motorrad in die Kurve, erst rechts, dann links. Je schneller er sich bewegt, desto höher beschleunigt er. Doch dann passiert ihm ein folgenschwerer Fehler. Er beugt sich zu weit raus und landet im Kiesbett. Der 78-Jährige steht auf und wechselt an den Frühstückstisch der VITA, der Station für Alterstraumatologie am Universitätsklinikum Augsburg. „Das war ja wohl nix“, sagt er und lächelt in die Runde. Vor ihm auf dem Platz liegt ein Schild: „Herzlich Willkommen auf der VITA, Herr Wahl“.

„Wir sind sehr glücklich, unseren Patienten diesen Service mit dem Computerspiel bieten zu können“, sagt Prof. Dr. Edgar Mayr, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie. Zu seiner Klinik gehört die Station VITA. Viele von Mayrs Patienten sind hochbetagt, manche von ihnen dement. Die einen haben sich bei Stürzen eine Fraktur zugezogen, andere, wie Horst Wahl, brauchen eine neue Hüfte, ein neues Kniegelenk. Nicht wenige haben zudem zahlreiche weitere Erkrankungen.

Memorebox heißt das Programm, mit dem Horst Wahl gerade Motorrad gefahren ist. Es erinnert tatsächlich ein wenig an die X-Box. Nur mit dem Unterschied, dass die Memorebox speziell für alte Menschen entwickelt wurde, die die Spiele alle im Sitzen machen können und keinen Controller oder Joystick dafür benötigen. Allein durch die Bewegungen des Oberkörpers und/oder der Arme lässt sich das Motorrad steuern, wird die Post verteilt oder der Weg zu einem vorher angegebenen Ziel verfolgt. „Es mögen einfache Gedächtnisleistungen und Koordinationsübungen sein – für Senioren oder Menschen mit Demenz können sie zur Herausforderung werden“, erklärt Jutta Werther, Oberärztin der Geriatrie. „Das Tolle an diesem Programm ist, dass auch ältere Menschen wieder der Ehrgeiz packt und sie motiviert werden, sich zu bewegen. Im Grunde ist es wie eine Therapie, ohne dass unsere Patienten es als Therapie empfinden, weil alles spielerisch erfolgt. Und Menschen spielen gern, egal, in welchem Alter sie sind“, so Werther.

Dass die Klinik von Prof. Dr. Edgar Mayr die Memorebox anschaffen konnte, verdanken Mitarbeiter und Patienten dem außerordentlichen Engagement eines Unternehmerpaares aus Königsbrunn, Elke Fey und Peter Holzheu. Die beiden führen das Königsbrunner Traditionsunternehmen Fey Lamellenringe und engagieren sich seit Jahrzehnten für soziale Zwecke. Wichtig ist ihnen, dass es um Menschen in der Region geht – so unterstützen sie beispielsweise auch den Eishockey-Nachwuchs der Panther, das Fritz-Felsenstein-Haus in Königsbrunn für behinderte Kinder und eben die VITA auf der Unfallchirurgie – und dass eine persönliche Bindung zu Verein, Einrichtung oder Station besteht. Der Kontakt zur VITA und zu Prof. Dr. Edgar Mayr kam übrigens durch Holzheus frühere Tätigkeit zustande: Als Eishockey-Profi bei den Augsburger Panthern in den 80er Jahren musste Holzheu mehrfach von Mayr operiert und zusammengeflickt werden. „Dabei erzählte mir Professor Mayr von seiner Idee einer Station der Alterstraumatologie, die es damals so noch nirgendwo in Deutschland gab“, so Holzheu.

Für ihn und seine Partnerin Elke Fey gab es deshalb auch keinen Grund lange nachzudenken, als die Station mit einer weiteren Bitte auf das Unternehmerpaar zukam: Hilfe bei der Anschaffung sogenannten Demenzgeschirrs: Die weißen Teller haben einen kräftig-roten Rand, die Tassen sind ebenso mit roten Griffen eingefasst und das Besteck lässt sich mit roten Griff-Kissen verlängern und verbreitern. „Demente Patienten sehen das weiße Geschirr auf den weißen Tischen oft nicht“, erklärt Silvia Wolf-Klaus, Stationsleiterin der VITA. Das Trinkverhalten, ohnehin ein schwieriges Thema bei alten Menschen, verbessere sich deutlich allein durch die Sicherheit beim Greifen der Tasse mit beiden Händen. „Manche Senioren haben durch neurologische Erkrankungen Probleme, die dünnen Besteckgriffe zu fassen oder den Arm komplett durch zu beugen, so dass der Löffel zum Mund geführt werden kann“, so Wolf-Klaus. Alle diese Probleme ließen sich einfach durch das speziell entwickelte Geschirr lösen. Das Essverhalten verändere sich generell positiv, was sich wiederum auf die gesamte Konstitution des älteren Menschen auswirke.

Das Unternehmerpaar Fey-Holzheu zeigt sich angesichts des spürbaren Nutzens der Memorebox und des Demenzgeschirrs begeistert über die Verwendung seiner Spenden: „Es sind manchmal die vermeintlich kleinen Dinge, die zu großen Veränderungen und Verbesserungen führen. Toll auch, was die Mitarbeiter hier für die alten Menschen leisten.“

BILDER

  1. Spezielles Geschirr hilft älteren Patienten wie Horst Wahl (Mitte), den Teller auf dem Tisch besser erkennen, die Tasse sicherer greifen zu können. Durch großzügige Spenden des Unternehmerpaares Elke Fey (links) und Peter Holzheu (rechts) konnten Prof. Dr. Edgar Mayr, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie, sowie Oberärztin Jutta Werther es anschaffen.
  2. Die Memorebox, ein speziell für alte Menschen entwickeltes Computerspiel, hilft Patienten wie Horst Wahl, spielerisch in Bewegung zu bleiben. Angeschafft werden konnte es für die Alterstraumatologie der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie durch die großzügige Spende des Unternehmerpaares Elke Fey und Peter Holzheu aus Königsbrunn.
  3. Oberärztin Dr. Jutta Werther erläutert dem Patienten Horst Wahl die Memorebox, ein speziell für alte Menschen entwickeltes Computerspiel. Es hilft Patienten wie Horst Wahl, spielerisch in Bewegung zu bleiben. Angeschafft werden konnte es für die Alterstraumatologie der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Plastische und Handchirurgie durch die großzügige Spende des Unternehmerpaares Elke Fey und Peter Holzheu aus Königsbrunn.
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