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Ständige Gefahr - ein Epilepsie-Anfall kann jederzeit drohen

Ein Epilepsie-Anfall droht jederzeit. Mit medizinischer Therapie und Aufklärung verhelfen die Kinderklinik Augsburg | Mutter-Kind-Zentrum Schwaben und der Bunte Kreis zu einem entspannteren Umgang mit der Krankheit.

Promi-Sprössling Romeo Beckham hat es. Sein Patenonkel Elton John hat es ebenfalls. Die Rede ist von Epilepsie. Dabei handelt es sich um eine Funktionsstörung des Gehirns, bei der sich die Nervenzellen spontan, übermäßig und unkontrolliert entladen. Solche Anfälle können ganz unterschiedlich ablaufen: Als Trance-Zustand, in dem die Patienten abwesend und nicht ansprechbar sind, bis hin zu krampfartigen Anfällen.

Als Triggerfaktoren, die eine Attacke erregen können, wurden beispielsweise Schlafentzug, Stress oder auch flackerndes Licht identifiziert. Letzterer war auch bei Romeo Beckham der Grund, weshalb seine Eltern, Ex-Spice-Girl Victoria und Ex-Profi-Kicker David Beckham, mit der Erkrankung an die Öffentlichkeit gingen. Das Blitzlichtgewitter der allgegenwärtigen Paparazzi hätte jederzeit einen Anfall auslösen können.

Romeo Beckham gehört damit zu den fünf Prozent der fotosensiblen Epilepsiepatienten. „Die meisten anderen Anfälle treten ohne ersichtlichen Grund auf“, weiß Dr. med. Mareike Schimmel, Oberärztin der Kinderneurologie an der Kinderklinik Augsburg | Mutter-Kind-Zentrum Schwaben und Epileptologin.

Altersabhängige Aufklärung

Etwa die Hälfte aller Epilepsien entstehen im Kindes- und Jugendalter. Nach einem ersten Anfall folgt eine ausführliche Abklärung mit Elektroenzephalogramm (EEG: Messung der Hirnströme), meist auch eine Blutentnahme und Schichtbildaufnahme (MRT oder CT). „Was dann folgt, ist eine altersabhängige individuelle Beratung, ob und mit welchem Medikament die Epilepsie behandelt werden soll“, erklärt Dr. Schimmel.
In 60 bis 70 Prozent aller Fälle helfen diese Medikamente, sogenannte Antikonvulsiva, die Anfälle zu unterdrücken. Daneben ist ein Risikomanagement für den Alltag gefragt. In den „famoses“-Kursen für Kinder mit Epilepsie und deren Eltern informiert die Kinderklinik über das Krankheitsbild, Therapiemöglichkeiten und den Umgang mit Epilepsie – Kinder werden eher spielerisch an das Thema herangeführt, Eltern wiederum sachlich geschult.

„Ganz wichtig ist auch, dass man im Kurs Kontakte zu anderen Betroffenen knüpfen kann“, stellt Dr. Schimmel einen weiteren positiven Aspekt der Schulungen heraus. Ansprechpartner finden Betroffene auch beim Bunten Kreis. Er ist Träger der Epilepsie-Beratung Augsburg-Nordschwaben.

Dort schulen und beraten Claudia Hackel und Manfred Hägele Erwachsene, Kinder, Jugendliche und deren Angehörige in Sachen Krankheitsverarbeitung und Lebensplanung, beantworten Fragen zur Gestaltung des täglichen Lebens, helfen in sozialrechtlichen Angelegenheiten, geben Tipps zu Erziehung, Ausbildung und Beruf.

Kostenlose Beratung

Auch Arbeitgeber, Schulen, Kindertagesstätten und andere Institutionen können sich an die Epilepsie-Beratung wenden. Die Beratung ist kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht. Darüber hinaus bieten die beiden Experten Schulungen für Erzieher, Lehrer und andere Verantwortliche an, kooperieren mit Selbsthilfegruppen und leisten wertvolle Öffentlichkeitsarbeit zum Abbau von Vorurteilen.

„Man kann mit Epilepsie gut leben – dazu gehört aber, dass man selbst gut informiert und auch das Umfeld aufgeklärt ist“, erklärt Dr. Mareike Schimmel. Nur dann sei ein unbefangener zwischenmenschlicher Umgang möglich. „Die Epilepsie-Beratung leistet hier tolle Arbeit“, lobt die Medizinerin. (lime)

KONTAKT

Bunter Kreis Nachsorge gGmbH
Epilepsie-Beratung Augsburg-Nordschwaben
Stenglinstraße 2
86156 Augsburg

Telefon: 0821 400-4945

Bürozeiten: Montag bis Donnerstag 10 bis 16 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung.

 

Autor | Quelle: Dieses Interview von Melanie Lieberer (lime) erschien in der Sonderbeilage der Augsburger Allgemeinen Zeitung "Bunter Kreis" im November 2019. Vielen Dank für die Genehmigung zur Veröffentlichung. Das Interview kann auch hier nachgelesen werden: Ständige Gefahr (PDF-Datei).

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