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Alles fürs Happy End - Auf der Neonatologie werden Frühchen medizinisch betreut

Was wird es denn, Junge oder Mädchen? Genauso oft wie Schwangere diese Frage hören, dürften sie entgegnen: Egal, Hauptsache gesund. Der Wunsch nach einem gesunden Kind, einer komplikationslosen Schwangerschaft, ist für werdende Mütter so viel stärker als die Frage nach dem Geschlecht oder anderen Nebensächlichkeiten.

Bei vielen geht der Wunsch in Erfüllung, bei einigen leider nicht. Neonatologie nennt man den Teilbereich der Kinder- und Jugendmedizin, der sich mit der Physiologie und der Pathologie von Neugeborenen beschäftigt. Rund 2000 Babys werden jährlich auf der Familienstation in der Kinderklinik Augsburg | Mutter-Kind-Zentrum Schwaben betreut.

Dazu kommen 650 Kinder, die auf der Neugeborenen-Überwachungsstation behandelt werden. Weitere 250 müssen intensivmedizinisch gepflegt werden – sei es, weil sie mit Fehlbildungen auf die Welt kommen oder extrem früh geboren werden. „Im schlimmsten Fall kommt beides zusammen“, weiß Dr.med. Wilfried Schenk, Leitender Oberarzt in der Kinderklinik am Universitätsklinikum.

Er erinnert sich beispielsweise an einen Jungen, der mit 700 Gramm Geburtsgewicht zu den extrem frühgeborenen Kindern zählt. „Das allein bedarf schon intensiver Betreuung“, sagt Dr. Schenk. Doch außerdem besaß der Junge eine operationsbedürftige Fehlbildung an der Speiseröhre. „Der untere Teil der Speiseröhre war mit der Luftröhre verbunden. Wir mussten bei der Beatmung also verstärkt darauf achten, dass kein Magensaft in die Lunge kommt“, erzählt Dr. Schenk.

Da es sich bei dem Jungen nicht um einen Fall aus dem Lehrbuch handelte, haben übliche Ansätze nicht funktioniert. „Oft helfen uns bei solchen Extremfällen außergewöhnliche Ideen und unkonventionelle Ansätze“, sagt Dr. Schenk. Auch dem Jungen konnte so akut geholfen werden. Die Operation verlief gut, der Junge nahm zu. Nach einem längeren Klinikaufenthalt konnte er sie gesund verlassen.

Entwicklungsschritte sind eine Herausforderung

Noch heute, über zwei Jahre nach seiner zu frühen Geburt, befindet er sich in der Nachbetreuung. Hier wird sowohl die Narbenbildung überwacht, als auch seine Entwicklung: sitzen, krabbeln, laufen, essen – was für gesunde Kinder eine Selbstverständlichkeit ist, fällt Frühgeborenen oft sehr viel schwerer. Doch Dr. Schenk ist zufrieden: „Heute ist unser Patient ein richtig kleiner Rabauke. Solche Happy Ends freuen uns natürlich immer sehr.“

An der Kinderklinik Augsburg | Mutter-Kind-Zentrum Schwaben wird alles dafür getan. Angefangen bei der Beratung von Eltern bei Risikoschwangerschaften über die Erstversorgung in den Kreißsälen, die Zusammenarbeit mit Kinderchirurgie, -anästhesie und weiteren hochkompetenten Abteilungen im Haus sowie hochspezialisierten Therapien bis hin zur ambulanten Nachsorge und entwicklungsneurologischen Nachuntersuchung. Und damit ist die Betreuung noch nicht zu Ende. „Das normale Leben gerät in so einer Extremsituation völlig in den Hintergrund“, weiß Dr. Schenk. „Wir auf Station können uns medizinisch und sozialmedizinisch kümmern, den nach- und nichtstationären Bereich deckt der Bunte Kreis ab.“

Konkret spricht Dr. Schenk von Fragen zu Haushaltshilfen, Fahrtkostenerstattung, Geschwisterbetreuung und vielen anderen praktischen Fragen. Beim Bunten Kreis finden Betroffene zu jedem Thema Ansprechpartner, die während der belastenden Zeit eine große Stütze sind. (lime)

 

Autor | Quelle: Dieses Interview von Melanie Lieberer (lime) erschien in der Sonderbeilage der Augsburger Allgemeinen Zeitung "Bunter Kreis" im November 2019. Vielen Dank für die Genehmigung zur Veröffentlichung. Das Interview kann auch hier nachgelesen werden: Alles fürs Happy End (PDF-Datei).

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