Keine „kleinen Erwachsenen“

Besonderheiten in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Krebserkrankungen

Wenn Kinder und Jugendliche an Krebs erkranken, ist das ein großer Schock. Krebserkrankungen sind in jungem Alter zwar selten, die Nachricht von der Diagnose ist dafür umso erschütternder für die Kinder und Jugendlichen selbst, aber auch für deren Eltern und Angehörige: Von einem Tag auf den anderen gerät die Welt der ganzen Familie aus den Fugen – nicht zuletzt, weil sich das Leben häufig für längere Zeit ins Krankenhaus verlagert. Außerdem kreisen die Gedanken um Fragen zu Behandlungsmöglichkeiten, Heilungschancen und zur Zukunft des Kindes.

Trotz der einschneidenden Erfahrung können junge Krebserkrankte und ihre Angehörigen heute hoffnungsvoll in die Zukunft blicken: Dank der stetigen Verbesserung von Diagnostik- und Therapieverfahren in den letzten dreißig Jahren gibt es heute für Kinder und Jugendliche sehr gute Behandlungsmöglichkeiten – häufig ist sogar eine vollständige Heilung möglich. Das Wissen um diese weitreichenden Behandlungsmöglichkeiten und die damit verbundene Hoffnung, wieder gesund zu werden, helfen Kindern und ihren Familien, diese schwierige Zeit gemeinsam zu überstehen.

Junge Krebspatienten: Andere Erkrankungen, andere Behandlung

Kinder und Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen. So erkranken sie meist auch an anderen Krebsarten als diese: Die häufigsten bösartigen Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen reichen dabei von Leukämien und Lymphomen bis hin zu Tumoren des Zentralnervensystems in Gehirn und Rückenmark.

Aufgrund der Seltenheit von Krebs bei Kindern und Jugendlichen und da kein Fall dem anderen gleicht, werden fast alle jungen Krebspatienten (­> 95 %) im Rahmen von Therapieoptimierungsstudien der Gesellschaft für pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) behandelt. Dadurch wird die Therapie wissenschaftlich begleitet und ausgewertet – die Qualität der Krebsbehandlung bei Kindern und Jugendlichen wird so kontinuierlich verbessert, und Therapien können zielgerichteter und somit wirkungsvoller eingesetzt werden. Dadurch haben junge Patienten nicht nur bessere Heilungschancen, auch die Nebenwirkungen der oft sehr belastenden Behandlung können so minimiert werden.

Trotz der Unterschiede bei Erkrankungen und Behandlungsabläufen gibt es auch Gemeinsamkeiten zwischen jungen und älteren Krebspatienten: Die drei Säulen der Krebsbehandlung setzen sich bei beiden Patientengruppen aus Operationen, Chemo- sowie Strahlentherapie zusammen. In der Behandlung zeigt sich dabei meist, dass Kinder und Jugendliche am besten auf eine multimodale Therapie ansprechen – also eine Kombinationstherapie, bei der zwei oder mehr Behandlungsverfahren kombiniert angewendet werden. Mit diesem Vorgehen kann häufig selbst in einem fortgeschrittenen Stadium eine Heilung erreicht werden.

Da sich Kinder und Jugendliche noch in der Entwicklung befinden, ist die Behandlung einer Krebserkrankung für sie häufig mit schweren Nebenwirkungen und auch Langzeitfolgen verbunden. Im Verlauf der frühen Kindheit reifen beispielsweise die Zellen des Gehirns heran und übernehmen Schritt für Schritt verschiedene Funktionen. Wenn nun bösartige Zellen beispielsweise mithilfe einer Strahlentherapie zerstört werden, werden auch gesunde Zellen angegriffen – dadurch können diese Reifungsprozesse des Gehirns gestört werden. Um solche Folgen der Therapie gering zu halten, kommt gerade bei jungen Patienten der Nachsorge eine große Bedeutung zu: Durch engmaschige und kontinuierliche Nachsorgeuntersuchungen können Entwicklungsdefizite oder Probleme mit der Organfunktion frühzeitig erkannt und behandelt werden. Um jungen Erkrankten den Start in ihr weiteres Leben möglichst zu vereinfachen, ist eine psychosoziale Betreuung während und nach der stationären Therapie besonders wichtig.

Neben Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen haben auch Heranwachsende und junge Erwachsene im Alter von fünfzehn bis neunundzwanzig Jahren besondere Bedürfnisse in der Behandlung von Krebserkrankungen.

Krebs in jungen Jahren: Worin liegen mögliche Ursachen?

Aufgrund der erheblichen Fortschritte in den letzten Jahren im Hinblick auf die Erforschung der Ursachen von Krebs im Kindes- und Jugendalter kann man heute besser nachvollziehen, wie Krebserkrankungen entstehen. Aus diesem Wissen lassen sich Ansätze für neue Therapiemethoden ableiten.

Bei bestimmten Krankheitsbildern wie der multiplen endokrinen Neoplasie (MEN) oder dem Li-Fraumeni-Syndrom besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, Tumoren zu entwickeln. Diese Krankheitsbilder können im Rahmen der Kindervorsorgeuntersuchungen erkannt werden. Durch spezielle Vorsorgeprogramme können in solchen Fällen bösartige Entwicklungen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Die Gründe einer Krebserkrankung bei Kindern hingegen können nur selten ermittelt werden. Auch eindeutige erbliche Ursachen lassen sich nur in manchen Fällen feststellen. Als sicher gilt aber, dass Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nicht durch ein falsches Verhalten ausgelöst werden können – weder Eltern noch betroffene Kinder selbst trifft somit irgendeine Schuld an der Erkrankung.

Krebsbehandlung am Schwäbischen Kinderkrebszentrum

Das Schwäbische Kinderkrebszentrum am Interdisziplinären Cancer Center Augsburg ist mit Tagesklinik, Station, Ambulanz und Kinderkrebsforschungszentrum hervorragend für die Betreuung von jungen Patienten mit Krebserkrankungen ausgerüstet. Das Behandlungsspektrum umfasst dabei alle Krebsarten und Lokalisationen. Besondere Schwerpunkte des Schwäbischen Kinderkrebszentrums sind das international anerkannte Zentrum für Kinder und Jugendliche mit Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks sowie die Behandlung von Krebserkrankungen bei Säuglingen.

Das Hauptaugenmerk aller Mitarbeiter am Kinderkrebszentrum liegt vor allem auf dem Wohlergehen der betroffenen Kinder und deren Familien.